Mai 17

Behave as if you had a little daughter watching.

&

So arbeiten, dass man nicht kapitalisiert werden kann.

Tagesgewebe

Beim Einschlafen dachte ich an das Gewebe, das wir erschaffen, mit den Dingen, die wir uns täglich hin- und herschicken. Wir vergessen so oft, dass wir täglich diesen Stoff weben, dass alles darin landet.

Richness of meaning

I am for richness of meaning rather than clarity of meaning; for the implicit function as well as the explicit function. I prefer “both-and” to “either-or,” black and white, and sometimes gray, to black or white. A valid architecture evokes many levels of meaning and combinations of focus: its space and its elements become readable and workable in several ways at once.
Robert Venturi

Instapost

Weißt du, was ich mag? Wenn das Licht meines Fahrrads einen Kegel im Nebel macht.

(Werden Details schöner, oder wichtiger, wenn man Bilder davon teilt?)

Post-election

Meaghan O'Connell on dreading a trip to see family post-election: This is nothing really, this possible discomfort, though you have to watch how it changes you, make sure you're changed in the right direction. Make sure you don't just go running away in the other direction.

And, by Naomi Shihab Nye, via Rachel W. Cole, from a poem called Kindness:


(…)

Before you learn the tender gravity of kindness,
you must travel where the Indian in a white poncho
lies dead by the side of the road.
You must see how this could be you,
how he too was someone
who journeyed through the night with plans
and the simple breath that kept him alive.

Before you know kindness as the deepest thing inside,
you must know sorrow as the other deepest thing. 
You must wake up with sorrow.
You must speak to it till your voice
catches the thread of all sorrows
and you see the size of the cloth.

Then it is only kindness that makes sense anymore,
only kindness that ties your shoes
and sends you out into the day to mail letters and
     purchase bread

(…)

Münzen

Ich sehe, im Vorbeifahren auf dem Fahrrad, auf der Straße Geld liegen, aber es ist kein Traum. Weil Feiertag ist und die Straße leer, halte ich an, drehe um und sammele die beiden Münzen auf. Ich stecke sie in meine Jackentasche und biege rechts ab. Am Ende der Straße sehe ich eine Person winken, es sieht aus wie eine große Frau in einem Businesskostüm. Als ich näher komme, erkenne ich, dass sie dem Taxi hinter mir winkt und ein Mann ist, nackt mit breiter Brust unter einem grauen Bademantel. Er steigt in einer selbstverständlichen, großen Bewegung in das Taxi ein, während ich daran vorbeifahre. An meinem Ziel stelle ich fest, dass meine Wasserflasche ausgelaufen und mein schönes Portemonnaie durchnässt ist.

Aus den Argonauten

There is nothing you can throw at me that I cannot metabolize, no thing impervious to my alchemy.
– Annie Sprinkle

Who wants to touch a really soft head?
– Lenny Dodge

Thank you for showing me what a nuptial might be – an infinite conversation, an endless becoming.
– Maggie Nelson

Mond doch kein Mond

In der Morgendämmerung koche ich mir in der dunklen Küche Tee, mit Hunger nur auf den Geruch des Earl Greys und den Geruch des swooping, umfassenden Regens draußen, ein Regen, bei dem man früher zur Schule musste, ein Regen, bei dem man früher bei der Tante Anne gewohnt hat. Jetzt wache ich auf von Träumen von Holzbrücken in Fischgrätparkett, frisch geölt, und von einer Reise, die ich unternommen und von der ich nur halb zurückgekehrt war. Ich lasse das blaue Schlafzimmer hinter mir, in dem ich einen Baukran mit seinem leuchtenden Werbeschild fotografiert hatte, Mond doch kein Mond.

Jetzt habe ich auf dem Küchentisch einen Lichtkegel gemacht, mir zwei orangene Kugeln hingelegt und den cremefarbenen Tee in seinem weißen Gefäß. Unsere Balkongräser sind nass und tastend und beweglich, wie Fühler an der Schnauze unserer Wohnung. F in Leipzig wird auch schon wach sein, es wird dort auch regnen, er wird sich um die Küchenwände kümmern, ich mich um Knie und Kunden, die Dämmerung wird verschwinden und ein helles Grau da lassen. Es regnet weiter und ich will nie mehr vom Küchentisch aufstehen.