Äpfel ausladen

Etwas war unfertig an meinen Gedanken von letzter Woche. Ich schrieb über den ruhigen, angekommenen Punkt, an dem ohnehin nicht angekommen wird, und wie ich es trotzdem probiere und optimiere, neue To-Do-Listen teste und Programme und Pflichten steuere und versuche, dieses ganze Ding mit großer Eleganz im Gleichgewicht zu halten.

Dieser Versuch ist allerdings schon zum Scheitern verurteilt. Wenn zu viel da ist, kann ich noch so sehr üben, das in ein Gleichgewicht zu bringen — es wird in eine Richtung auslaufen.

Also kann es nur darum gehen, aus dem Viel weniger zu machen, Verpflichtungen nach innen und nach außen aubzuschütteln, die überflüssigen Äpfel aus dem Korb zu legen.

Bei Frank Chimero habe ich eine gute Formulierung dafür gefunden: Continually attempting to manage too much isn’t the mark of grace, it’s the sign of a dumbass.

Und: I made a small note: remember your reasons, so your noes mean no and your yeses mean yes. If yes, understand the cost, accept it, and go forth. This is the antidote to the whiplash of modern life, to automatic and unchecked desire, to the anxiety created by spinelessness. A person must know what’s enough, and stand beside the choice.

Beim Optimieren steht das Optimum immer da hinten, ganz bald sicherlich erreicht, und man kommt nie an. Wer Verantwortung übernimmt, ist schon lange da. Hallo jetzt! Hier sind die Entscheidungen, die du getroffen hast, deren Kosten du kennst und akzeptierst, deine ganzen Jas und Neins - geh mit ihnen um.

Dieses schon-lange-da will ich üben. Ruhe haben, weil man zu seinen Entscheidungen steht und nicht weil man noch produktiver wurde. Ich brauche nicht mehr Trennung in draußen und drinnen, hier Unruhe und dort Zuhause, ich brauche keine weiteren Aufgaben … Zwei Räume machen wirklich mehr Arbeit als einer.

Mich hier zu zeigen ist eine Entscheidung, ein Ja, dessen Kosten ich verstehe und hinter dem ich stehen will.

Meine tägliche Arbeit nicht von E-Mails und Anfragen diktieren zu lassen ist eine Entscheidung. Die Morgende schreibend und die Abende lesend zu verbringen. Mich nicht von den guten und gutgemeinten Ratschlägen derer, die mich und meine Arbeit beobachten und wachsen sehen wollen, leiten zu lassen. In meinem Tempo zu wachsen, und eventuell überhaupt nicht größer und erfolgreicher zu werden — Hauptsache meine Arbeit hilft Menschen, mutig und bewusst Websites mit ihrer Wahrheit zu füllen, und meine Worte bringen etwas in Schwingung.

Alles Entscheidungen, denen ich Handlung und Haltung schuldig bin. Und nicht Optimierung, und hier noch ein schnelles Ja und dort eins, weil das einfacher ist oder aus Gewohnheit und Begeisterung. Es geht nicht alles und nicht alles gleichzeitig, eine der schwierigeren Erkentnisse für mich zu begreifen.

How we spend our days is, of course, how we spend our lives. What we do with this hour, and that one, is what we are doing.
— Annie Dillard