Draußen Jagd, drinnen Ruhe

Es ist eine solche Illusion, dass wir irgendwann einmal an einem ruhigen Punkt ankommen. Ein Punkt, an dem sich arbeitliche Zufriedenheit mit finanzieller Sicherheit mit ausgeglichenen Freundschaften und großer Liebe und bewegten Gliedern und Zeit für Hefezöpfe am Wochenende deckt.

Die Sehnsucht nach dem ruhigen Punkt hetzt mich durch die Wochen. Ich will Ruhe, Ruhe, Ruhe, dröhnt es in mir, und gleichzeitig bin ich es, die zu doofen Zeiten Mail-Postfächer öffnet und Gedanken wiegt und über große, große Kooperationen nachdenkt und das beste Geburtstagsgeschenk jemals finden muss.

Dieses Gewusel nennt sich Leben, oder?

Ich hatte da mal ein Ideal: Draußen Jagd, drinnen Ruhe. Das wäre so richtig – ein lichtdurchfluteter, aufregender Raum für das Wachsen und Zuschnappen, und ein stark geschützer Raum für die Stille, in dem völlig klar ist, wer wen liebt. Aber zwei Räume machen mehr Arbeit als einer.

Ich bin am optimieren, und ich habe noch viel zu optimieren. Ich vermisse meinen Bruder. Und Zeiten in denen ich mich gelangweilt habe und noch bessere Zeiten in denen ich bis spät in die Nacht Kunst gemacht habe. Ich will nicht flexibel sein müssen, will nicht immer was vorhaben. I want to devote myself to less stuff.

Und wenn dann eine Ruhe da ist, verwechsle ich sie mit Leere. Es ist alles schon da, sollte ich mir auf alle Finger tätowieren. So dass ich es mit jedem Blick auf die Tastatur zehnfach lesen müsste.

Ich habe Kissen gekauft, erstmalig in meinem Leben. Und Schaumstoff für unser Türloch, und mehr Schaumstoff für meine Bank. Denn ich will es gemütlich, und vielleicht hätte ich gern noch eine Tafel.

Ich habe Sport gemacht, widerwillig aber doch, ich gehe da weiter hin, ich werde dieses Gym nutzen und irgendwie genießen, ich werde den Boxsack nutzen, der hängt für mich dort.