Einen Raum haben mit Scheibe

Noch ein Wochenendtrip, mit unter anderem einer Radtour zu einem Pferdestall. Das grüne Blätterdach, das über einen hinwegfliegt, die Sonnensprenkel, die Lufttiere, die mit ihren harten Körperchen auf mein Gesicht aufprallen, Wind in Hemd und Haar, es riecht nach Holm und Sand und Klöven und Steen, nach Sonntag, und so soll es immer riechen. Ein Pferd, das nicht dazugehörte, schaute mit dem Kopf aus einem winzigen Fenster und ich fütterte ihm einen Apfelbutzen in die riesigen Samtlippen.

Ich hatte eine Idee für ein Handyspiel, so ähnlich wie Blaubeerensammeln am Bahndamm, aber digital.

Und dann ohne weiteren Übergang: Eine ehemalige Vergolderwerkstatt im Westend beziehen. Tapeten abkratzen bis in den Traum hinein. Handgezogene Bordüren als unterste Schicht entdecken. Abends auf der Straße vor dem eigenen Laden sitzen, Bier trinken und Nüsse knacken.

Wir haben jetzt einen Laden mit einer Scheibe.

Hinter der Scheibe sehe ich Fremde und Bekannte und Bekanntwerdende und wechselnde Geräusche und neues Licht. Neue Rhythmen, die ich mit Deutlichkeit wahrnehme. Ich beobachte das Neue Licht. Ich erkenne bereits Muster — wann läuft oder rollt oder fährt wer mit wem in welche Richtung vorbei? Kleine Pausen nur wenn es schüttet.

Ich habe jetzt eine öffentliche Verankerung. Ein Aufdringlicher sieht mich im Supermarkt, flüstert tell me a lie, steht vor mir an der Kasse, grinst. Ich beschließe, mich nicht anders zu verhalten als geplant (müssen Männer sich das jemals vornehmen?) und laufe ohne abschüttelnden Umweg zurück zum Laden. Er steht an der Straßenecke, bedeutet mir mit einer Kopfbewegung zu ihm zu kommen (die Unglaublichkeit), ich lache ihn aus und laufe zu mir und schließe die Ladentür auf und wieder zu und beobachte dabei in der Spiegelung, wie er weiterläuft.

Was bedeutet ein offenes Fenster? Ist es eine Einladung?

Der Frischling, der über die Schulter des bärtigen Vaters wie ein Fisch hineinlugt.

Ich sehe mehr, lerne ein Viertel kennen, und einen Ort. Der auch eine Geschichte hat, mal Alessi-Designstudio war und mal Lampenstudio und mal Bäckerei. Ich sehe, dass Menschen neugierig sind. Dass sie kaufen wollen, dass sie hoffen auf etwas, das für sie richtig ist. Was hat eine Website mit einem Schaufenster zu tun? Was macht man mit einem echten Schaufenster?

Ich werde mehr gesehen. Ein Fenster ist viel echter als das Internet. Ein Vorhang ist eine Fensterburka. Man verhält sich anders unter Beobachtung. Und man beobachtet anders mit Fenster.

Wie seinen eigenen Geruch verbreiten?

Die Gerüche, die man einnehmen muss. Die Brauerei schwappt rein, drinnen ist alter Rauch und Muff. Dazu einzelne Menschen, die draußen vorbeigehen und die ich drinnen rieche — Zigarettenrauch oder Parfüm oder ein Haarprodukt. Der Versuch, neue Gewohnheiten zu formen an einem neuen Ort und dann natürlich die Feststellung, dass man weiterhin die gleiche Person ist.

Körperliche Arbeit als Urlaub von Kopfarbeit und umgekehrt. Irgendjemand macht immer Ärger und oft regnet es auch. Oft gibt es abends ein Spaziergang mit Eis, mal diese Sorte, mal jene. Küsse gehören an die Körperstelle, die dran ist. Alle Mühe soll in die Worte, der Rest darf keine Mühe machen.

Nackte Wand + weiter. Hood-Gelächter.

Goldstückchen überall.