Ich bin nicht „schon glücklich“.

Ich bin in Gedanken. In Gedanken über das Land, in dem ich geboren wurde und in dem ich immer noch lebe.

Hauptsächlich bin ich in Gedanken über die vielen lauten Menschen in diesem Land, die so unglaublich stark fühlen, dass sie zu kurz kommen.

Dass ihnen etwas zusteht, was sie bald nicht mehr bekommen oder noch nie bekommen haben, auf jeden Fall ist irgendetwas furchtbar knapp und bitter. Und nein, dann kann man natürlich auch kein Verständnis dafür haben, dass ein Flüchtling sich Zeit nimmt, um aus den Kleiderspenden etwas herauszufischen, das ihr gefällt.

Ich kann kaum hinsehen, wie wir es nicht schaffen, den Menschen, die zu uns flüchten, auch nur einen Moment Ruhe zu geben. Ihnen stattdessen gleich weiter Angst und Druck machen, mit Krawallen und Brandanschlägen und Steinen und nächtlichen Polizei-Einsätzen in Rauch und Blaulicht.

Ich kann nicht mehr hören, dass man hier in Deutschland „schon glücklich“ sei, dankeschön, man brauche nicht noch zwangsweise fremde Menschen dazu. Denn es stimmt schlichtweg nicht, wir brauchen diese fremden Menschen, und zwar langfristig und auf ganz vielen Ebenen. Außerdem: wenn wir hier schon so glücklich wären, dann wären wir nicht von so einem Mangelgefühl bestimmt.

Ja, es gibt neoliberale Tendenzen in der Flüchtlingspolitik, es gibt Linke, die bei jedem Gegenargument sofort „Nazi“ rufen, man kann Zahlen zur Zuwanderung und ihrem Bedarf so rum lesen oder auch so rum und zu allem Überfluß haben wir eine Kanzlerin, die tagelang einfach nur schweigt.

Aber all das ist mir im Moment egal, hier ist ein Elend vor meiner Tür und ich kann jetzt nicht einfach nur auf meinen Händen sitzen.

Die Welt als Ganzes wird nicht mit einem Schlag besser. Das sind nicht die letzten traumatisierten Menschen, die zu uns kommen. Und einige davon werden, ob wir das wollen oder nicht, bleiben. Wie wir heute mit Flüchtlingen umgehen, wie wir sie aufnehmen, annehmen, anschauen, ausbilden, wird somit unsere Zukunft prägen – wiederum ob wir das wollen oder nicht, ob wir es bewusst gestalten oder nicht.

Ich esse meine Crêpes, ich weine über der Tagesschau, ich gehe zum Sport und es gewittert draußen und ich google Stellen in München, die ehrenamtliche Helfer suchen. Denn auch wenn die Situation vielleicht eigentlich strukturell falsch ist, darf es nicht auch noch menschlich falsch werden, nicht noch falscher, und vielleicht kann ich einen kleinen Unterschied machen.

Wir Menschen leben so sehr von den kleinen Dingen, das ist meine einzige Hoffnung auch hier.

P.S. So geht superschnelles Helfen vom Sofa aus: Blogger für Flüchtlinge