Münzen auf dem Weg

Geldiges

Ich bin ein erwachsenes Thema endlich angegangen und fühlte mich zuerst verunsichert, dann viel erwachsener — ich habe eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen und Altersvorsorgepläne getroffen.

Die liebe Person, die mich dabei beraten hat, hat zwei schöne Sätze getan: sie sagte, jeweils sehr eindringlich, dass meine Arbeitskraft das Einzige sei, was ich habe, und drum zu schützen ist. Und dass Ausbildung immer eine Priorität haben muss beim Geldausgeben, denn damit habe man den größten Hebel.

Deshalb haben wir so viel Scheu vor diesen Themen: wir fürchten, Prioritäten festlegen und uns einschränken zu müssen.

Ich habe beschlossen, dass ich nicht wissen muss, was ich in zwei Jahren will, um heute finanzielle Entscheidungen zu treffen. Das ist nicht gefährlich, denn irgendwelche Entscheidungen muss ich ja treffen, und dann doch am liebsten beraten von einer Person, der ich vertraue. F nennt das kontrollierte Schadensbegrenzung — hier gibt er mir Leichtigkeit mit seiner Haltung.

Ich bin also stolz auf mich, dass ich mich informiere und Entscheidungen treffe und Verantwortung übernehme und mich somit unabhängig von den Eventualitäten meiner Familie mache. Ich sorge für mich.

Was gut ist. Sich aber auch so schrecklich normal anfühlt. Als ob ich jetzt bald auch noch eine Katze haben könnte oder anfange, fern zu schauen. Aber vielleicht muss man irgendwann begreifen, dass einen die Realität betrifft.

— dass die Welt existiert und wir uns in ihr bewegen.

Show + Tell

Wir stellen fest, dass wir uns selten die Zeit nehmen, Bilder richtig lange anzuschauen.

Wir suchen das, was einzigartig ist an jedem einzelnen Menschen, was aber trotzdem von anderen sofort erkannt wird, im Gegensatz zu einem Iris-Muster oder einem Fingerabdruck, den wir ja nie auf einen Blick verarbeiten können: die Stimme, der Gang, die Handschrift.

Ain’t it funny how you find just what you need

Beim Arbeiten viel Country-Musik gehört und dabei über Familie nachgedacht. Über diese Country-Werte des guten Lebens — die große Liebe, die sonnige Jugend, das Wunder der eigenen Kinder und damit irgendwie des eigenen Lebens. Eine saubere und klare und tief emotionale Welt, in der ganz vieles wertvoll ist. Auch die Heimat.

Spürt jeder ein Ziehen bei bestimmten Zeilen dieser idiotischen Musik? Kommt man mit der Familien-Thematik bei jedem ganz nah an die Tränen, in Sekundenschnelle?

Bless ’em. Bless your clients, your kids, your neighbors, softly trace a heart on their foreheads with your thumb and bless them.

Meine Sorge um den kleinen Sohn meiner Kusine im Krankenhaus macht mir klar, wie viele Nuancen von Familie ich kenne. Und, noch viel grundsätzlicher, wie sehr ich den Menschen um mich herum verbunden bin, trotz allem Alleinseingedöns.

Und der Rest.

Ich sagte, dass ich das unmöglich fände, wie meine Träume von Menschen bevölkert seien, nicht mal da dürfe ich alleine sein. C und K lachten mich laut aus, sie fanden, ich sei doch sehr viel alleine an meinem Rechner da drüben. Aber das stimmt nicht. Da bin ich mit der Welt verknüpft, da denke ich nur manchmal für mich.

Das Bahn-Tuten ist wieder da, lang und laut und melancholisch. Und die Kirchenglocken läuten so schön, ich liege so versteckt unter meiner Sonntagsmorgendecke, dass mich der F anstupsen muss um zu überprüfen, ob ich da bin, und lausche, lausche, lausche.

Im Traum zwickte die Gans den Fuchs, der Marder die Gans, die Tauben den Bussard und der Bussard hackte einem Mann den Schädel auf. Der blieb auffallend unaufgeregt, und wir fuhren ihn in unserem kleinen Jeep zum Krankenhaus.

Die Butter schmeckt immer nach Knoblauch, und Haselnüsse immer ranzig. Schneien tut es schon lange nicht mehr und morgen feiern wir alle drei zum ersten Mal ein Weihnachten nach unserer Art. Es wird Blinis geben. Obwohl die C sich Toast Hawaii wünschte.