Wie klingt deine Absicht?

Die Basis ist immer wieder Verantwortung — für die Wörter, die man sagt und schreibt. Und für die, die man liest.

Ich bin doch selber schuld, wenn ich mir immer wieder diese Schundbusinesstonfälle reinziehe, die schlecht kopierten amerikanischen Leidenschafts-Blogs, das ganze „Lass uns gemeinsam besser Geld verdienen“ Gesülze. Ich lese das manchmal, weil ich auf Tipps hoffe — der könnte doch noch was wissen, genau dieses bisschen das mir vielleicht fehlt — und bekomme doch nur schlechte Laune.

Denn mir fehlt nichts. Ich habe bereits alles in mir, um Kunden und Leser glücklich oder nachdenklich zu machen und davon leben zu können. Und gleichzeitig fehlt mir so viel, bin ich hungrig nach Gedanken und Konzepten, Büchern und Essays, nach diesen großen Hirnen da draußen.

Ich lese Susan Sontag, das Rolling Stones Interview. Staune, wie sie Gedanken im Gespräch entwickelt — sie spreche (und schreibe) um zu erfahren, was sie denke. Das ist Verantwortung: der Sprache gegenüber, aber auch dem Moment und ihrem Gesprächspartner. So klar, dass man ehrlich sein kann.

Ich experimentiere oft noch. An der Grenze zwischen dem Eingehen auf jemanden, der mich mögen und der von mir profitieren soll, da er mich bezahlt — den ich also verstehen will, und der Ehrlichkeit, also dem was ich wirklich in mir spüre. Diese Dinge sind verwandt. Ich sage inzwischen wenig bis nichts woran ich nicht glaube, was ich nicht auch für mich entwickelt habe. Aber der Tonfall ist jeweils anders.

Gibt es einen Tonfall der Ehrlichkeit?

Wie viel darf man werben, ohne die Sache zu gefährden? Welche Hülle, welcher Auftritt, welche Versprechungen sind die Angemessenen? Gibt es das: zu glatt? Wie sehr darf man Empathie nutzen, um Geschäfte zu machen? Darf man unempathisch Geschäfte machen? Wie viele Probleme darf ich lösen, wie viel Geld verdienen, wie viele Menschen glücklich machen? Ist es egal, mit was ich sie glücklich mache?

Ich will mit meinem Unternehmen klein bleiben, weil ich dann kompliziert bleiben kann. Je größer ich werde, desto mehr muss ich vereinfachen und verschlagworten. Glaube ich.

(Missachtete Gefahr des Unternehmers: Man erlebt so viel und entscheidet so viel im Alltag, fühlt sich so in der Verantwortung und Pflicht und Aufregung, dass man das weitere Denken verstümmeln lässt.)

(Zu Sontags verbliebenen transzendierenden Erfahrungen Kunst und Krankheit kann man bald die Selbständigkeit zählen — das Selbergestalten des perfekten Alltags, das eigenständige Bauen einer sinnvollen Arbeit als Ersatz für spirituelle Handlungen. Ich weiß gar nicht so recht, ob diese beglückende Selbständigkeit geht, für viele geht, eigentlich sinnvoll ist. Es wird doch auch zu einem Wahn, einem unüberlegten, der so tut, als würde er selbständig denken.)

In Gesprächen Gedanken zu entwickeln — das will ich lernen. Das verlangt mehr Ehrlichkeit, als ich es gewohnt bin. Es geht nicht darum, nie darum, ein Gespräch zu überstehen, glänzig und geliebt aus einem Gespräch heraus zu gehen. Sondern darum, gemeinsam zu denken.

Kein Regenjacken-Denken. Nicht nur funktional, nicht nur geschäftlich. Auch dieses komische unbenannte Andere.

Ich will Gedichte schreiben, die wie Füße laufen. Selbstverständliche Gedichte. Und dann will ich Funktionstexte schreiben, die genauso selbstverständlich und echt sind.

C sagt, es hat doch jeder Text eine Funktion. Ich sage, es hat auch jede Klamotte eine Funktion, aber Funktionskleidung ist trotzdem etwas anderes. Und die Mischform! Das ersehnte praktisch-schöne Kleidungsstück! Das gibt es kaum, oder nicht, und ihre Schönheit gewinnen andere Stücke durch ihre deutliche Ungeschicktheit.

Steeping words in kindness and tenderness. Steeping business in kindness and tenderness. Being a cold briny oyster at times.