Thank you, gods.

Die Werkstattseite vom Team Digital ORACLE

Hier präsentieren wir nur grob nach den einzelnen Schritten sortiert eine Auswahl aus unseren Materialsammlungen für das Projekt Digital Oracle. Wir hoffen, Ihnen durch diese Sammlung einen Einblick in unsere Arbeitsweise geben zu können.

Man weiß auch, dass es im Umkreis aller Orakelheiligtümer Verseschmiede gab, die sich dafür bezahlen ließen, den Orakeln eine kunstvolle Form zu geben.
— Giebel, Marion: Das Orakel von Delphi. S. 27
 
 
 

Das Setting „Orakel“

Fig. 1: Die verschiedenen Zeit-Ebenen der Prophetie.

Fig. 1: Die verschiedenen Zeit-Ebenen der Prophetie.

Dem Orakel muss gehuldigt werden, aber es fragt nicht aus. Es sendet aus und holt wieder ein.

Hatten sich Neugründungen etabliert, schickten sie regelmäßige Festgesandschaften nach Delphi. Auf diese Weise strömten Kenntnisse aus aller Herren Länder dort zusammen, die von der Priesterschaft gesammelt und verwertet wurden und von denen die Pythia nicht ausgeschlossen war. Delphi wurde zwar nicht gerade zum „Kolonialamt“ mit einem „brain trust“ aber doch zu einem Informationszentrum, wo jeder Ratsuchende nicht nur die Pythia, sondern Besucher von überallher befragen konnte.
— Giebel, Marion: Das Orakel von Delphi. S. 30 f.

Eine Person geht fragend auf eine Antwortmaschine zu. Das ist unser Setting, unsere Setzung.

Wie ich so be- und verurteilend durch die Gegend laufe, fällt mir wieder Grundsätzliches ein: Der Spruch ist kein Urteil.

Ich meine damit, dass das Orakel nicht Vergangenes prüft; es schätzt nicht ein, es greift nicht ein.

Also auch, wenn die Zukunft Schlechtes verspricht, ist sie keine Strafe; man bringt das Bestraftsein mit, oder nicht.

Fig. 2: Γνῶθι σεαυτόν – erkenne dich selbst.

Fig. 2: Γνῶθι σεαυτόν – erkenne dich selbst.

Fig. 3: Wir wollen nichts nachbauen, wir wollen entsprechen. Und finden.

Fig. 3: Wir wollen nichts nachbauen, wir wollen entsprechen. Und finden.

 

Die Erwartungshaltung

= der Vorverkauf.

Fig. 5: Der Weg zum Orakel könnte in mehrere Phasen unterteilt sein.

Fig. 5: Der Weg zum Orakel könnte in mehrere Phasen unterteilt sein.

Fig. 6: Noch ein Aspekt, der uns bei diesem Projekt interessieren könnte, ist der der Proportionalität.

Fig. 6: Noch ein Aspekt, der uns bei diesem Projekt interessieren könnte, ist der der Proportionalität.

 
Fig. 4: Es wird etwas geschehen.

Fig. 4: Es wird etwas geschehen.

Ursprüngliche Anrede: Loion kai ameinon – "Was ist besser und heilsamer zu tun?"

Wo kommt das her? Was für eine ursprüngliche Anrede ist das?

Der Spruch ist kein Urteil – das passt zu unserer Vorgabe, Schönheit auszugeben.

Das ist für mich zur Zeit der spannendste Punkt, also das mit der Schönheit

oder eben nicht.

 

Das EInlassritual: ein Opfer

Ich logge mich ein. Gebe die Schlüssel zu dem Raum ab, in dem ich mich für die Welt erfunden habe.

Der Gast bringt ein Opfer, verwandelt sich, tritt über eine Schwelle.

Fig. 8: Es wird Tempeldiener geben.

Fig. 8: Es wird Tempeldiener geben.

 
Fig. 7: Jeder Gast bringt ein Opfer.

Fig. 7: Jeder Gast bringt ein Opfer.

 

Der Raum

 

Performance in einem abgeschlossenen Raum.

Fig. 10: Viel Raum für die eigenen Fragen.

Fig. 10: Viel Raum für die eigenen Fragen.

Fig.11: Der Raum könnte minimalistisch sein …

Fig.11: Der Raum könnte minimalistisch sein …

Fig. 12: … oder arbeitsam.

Fig. 12: … oder arbeitsam.

 

Die Antwort

Textlicher/Sprachlicher Out, der individuell angepasst, und nicht reproduzierbar ist.
Der Output muss semantisch halbwegs decodierbar sein - also eine Bedeutung haben können

Der Text muss schön sein. Hier wird Kostbarkeit hergestellt, mitgegeben, geschenkt.

Et chaque portion de la matiere peut etre conçue comme un jardin plein de plantes, et comme un Etang plein de poissons. Mais chaque rameau de la plante, chaque membre de l’animal, chaque goutte de ses humeurs, est encor un tel jardin, ou un tel etang.
— Leibniz
Fig. 13: Beispielarbeit unseres Textgenerierungs-Skriptes

Fig. 13: Beispielarbeit unseres Textgenerierungs-Skriptes

Ich habe nochmal nachgedacht (das ist Code für: „Ich bin betrunken“).

Ich denke, eine Offenlegung wäre echt wichtig für mich. Aber eine solche, die die Kostbarkeit des Spruchs nicht in Frage stellen würde, sondern ihn nur nach seiner rationalen Seite erhellen.

Fig. 15: Nestled proportions bei John Cage – Verhältnis zum Grenzenlosen/Amorphen/Nicht-Abgeschlossenen/Nicht-Abzählbaren (Netzwerk, Gott); Zusammenbruch und anschließende Behauptung/Vermutung der Proportionalität (Anthropomorphismus); Homunculus/Déscartes

Fig. 15: Nestled proportions bei John Cage – Verhältnis zum Grenzenlosen/Amorphen/Nicht-Abgeschlossenen/Nicht-Abzählbaren (Netzwerk, Gott); Zusammenbruch und anschließende Behauptung/Vermutung der Proportionalität (Anthropomorphismus); Homunculus/Déscartes

Also eine Sache fällt mir auf: Ich finde, es darf nicht zu entgegenkommend und individualisiert sein. Es soll auch seinen eigenen Charakter haben, gegenhalten, unergründlich, eigenartig usw. sein, nicht nur, was den Output betrifft. Ich will nicht, dass wir jedem sein ideales Wohnzimmer gestalten oder so etwas und dann den Bauch streicheln. Ich denke einen Ort, den man besucht, aber wo man nicht bleiben will, der nichts zu bieten hat als eine Antwort und dann Schweigen.

Sondern meiner Ansicht nach läge genau darin auch die Herausforderung jeder einzelnen Performance: Sich zu fragen: 1. Wie gestaltet sich die spezifische Kommunikation der zu betrachtenden kulturellen und anthropologischen Gesprächssituation?

Welche Funktionen und aufgaben übernehmen die wechselnseitigen Gegenüber?

Und drittens, und das wäre für mich die von euch am Montag beschrieben Irritation und struggle: Wo gerät die kulturell geprägte Gesprächssituation durch unsere digitale Setzung an ihre Grenzen? Wo entstehen andere Formen des Kontaktes zwischen den beiden Gegenübern?

Aber eben diese Irritation nicht in Form einer Brechung und Aufdeckung, sondern eben genau also Moment der Intimität, in dem der Zuschauer die mit ihm stattfindende Verschiebung erkennen kann und vor allem seine eigene Erwartungshaltung auf dem Prüfstand steht.

Also aber in diesem ersten Anlauf bleibt die Gesprächssituation: Mensch [als Bittsuchende*r] <-> Computer [als Orakel]?

Du denkst das Ganze immer irgendwie vom Scheitern her, oder nicht? Warum es dann im Nachhinein nicht so ganz geklappt hat. Finde ich gut.

haha. Ich glaube, dass es nicht so viel wert hat, diese Fiktion aufrecht zu erhalten. Aber ich glaube, dass es wertvoll ist, sich bewusst zu sein, dass wir sie auch brauchen.

Fig. 16: Ist das die Definition von lyrisch: nicht reproduzierbar? Wir müssten Ikebana ausgeben.

Fig. 16: Ist das die Definition von lyrisch: nicht reproduzierbar? Wir müssten Ikebana ausgeben.

Können wir diese Entwicklung allwissender Gott/alles darbietende Natur zu Maschine [deus in machina] nachzeichnen? Das ist theoretisch schon ein bisschen viel. Wo befindet sich z. B. die Gabelung Aberglaube/rationaler Ersatz einer Weissagung, und wird das in unserer Zeit wieder zusammengeführt im Digitalen, das zwar dem Material nach aus Ratio besteht, aber gerade auf das Irrationale antwortet und ihm gerecht wird?

Also ich frage, weil diese Gesprächssituation ja eigentlich internalisiert wurde (oft eben als Aberglaube). Man sieht das Unverständliche/Rätselhafte als Zeichen und handelt danach, diese Kommunikation hat ja kein echtes Gegenüber, oder nur im sich ins Objekt quälenden Subjekt.

Aber dann wieder externalisiert. Ich denke vor allem auch an das Googeln von Symptomen und diese Online-Ärzte nach Flow-Chart-Prinzip und so.

ja das finde ich sehr spannend in Bezug auf das Orakel-Mensch-Setting.

Ich finde, der Begriff des Schweigens und der Ungenauigkeit ist super wichtig, auch das Beruhigende in der Antwort, die ungenau ist, eine zuhörende Antwort.

Es bringt ja z. B. nichts, Symptome zu googlen und dann mit lauter neuen tödlichen Krankheiten vertraut zu sein und viele machen es trotzdem (Beispiel: ich).

Fig. 14: Beispiel von Kostbarkeitserschaffung durch Textergänzung

Fig. 14: Beispiel von Kostbarkeitserschaffung durch Textergänzung

Ich lese gerade den Moby-Dick. Dort ist folgendes von Ahab zu lesen:

Lighting the pipe at the binnacle lamp and planting the stool on the weather side of the deck, he sat and smoked.

In old Norse times, the thrones of the sea-loving Danish kings were fabricated, saith tradition, of the tusks of the narwhale. How could one look at Ahab then, seated on that tripod of bones, without bethinking him of the royalty it symbolized? For a Khan of the plank, and a king of the sea, and a great lord of Leviathans was Ahab.

Some moments passed, during which the thick vapor came from his mouth in quick and constant puffs, which blew back again into his face. “How now,” he soliloquized at last, withdrawing the tube, “this smoking no longer soothes. Oh, my pipe! hard must it go with me if thy charm be gone! Here have I been unconsciously toiling, not pleasuring,—aye, and ignorantly smoking to windward all the while; to windward, and with such nervous whiffs, as if, like the dying whale, my final jets were the strongest and fullest of trouble. What business have I with this pipe? This thing that is meant for sereneness, to send up mild white vapors among mild white hairs, not among torn iron-grey locks like mine. I’ll smoke no more —“

He tossed the still lighted pipe into the sea. The fire hissed in the waves; the same instant the ship shot by the bubble the sinking pipe made. With slouched hat, Ahab lurchingly paced the planks.

Ich musste dabei an Delphi denken; gerade, weil vorher Ahab mit ägyptischen Totengöttern in Verbindung gebracht wurde. Jedenfalls vor allem wegen dem Rauch, der ihm entgegenschlägt, aufgrunddessen er dann seine Entscheidung trifft.

Außerdem sitzt er auf einem dreibeinigen Hocker.

Fig. 17: There is nothing here for you to take home.

Fig. 17: There is nothing here for you to take home.

Beispielsweise, wäre es möglch, einen raum zu schaffen, in den der Mensch eintritt und nicht besonderes tut, sagen wir, er wartet. Und trotzdem reagiert aber der Raum auf ihn, schickt einen Duft, ändert das Licht, jenachdem wo er steht, und irgndwann gibt er ihm vielleicht einen satz.

Also, man kriegt viel zurück, was nichts mit einem zu tun hat, aber die Sorgen und Ängste bindet.

Ja.

Das hatten wir ja auch schon, dass praktisch die Relation zum Gesuch vom Suchenden selbst hergestellt werden muss, nicht unbedingt vor-konstruiert ist.

Apophänie-mäßig.

genau, man muss das gefühl bekommen, gemeint zu sein. Einfach weil man allein in einem Raum ist, der sich verändert, und eben darin ist, um bedeutung zu lesen.

Irgendwo dazwischen, eine "Antwort", die man erst zu einer Antwort machen muss.

Aber schon auf dem Input beruht.

Fig. 18:  Der Zustand der Verwirrung ist auch Teil des Programms.

Fig. 18:  Der Zustand der Verwirrung ist auch Teil des Programms.