Auf der Insel

Ein Teller Snacks, eine geschenkte Mini-Ananas, hundemüde Beine und schmerzende Kniekehlen, eine Lunge voll kräftiger Salzluft, ein Uterus, der sich schält, weniger Elektrogeräte für weniger Elektro-Smog für schnellere Erholung, zwei zusammengeschobene Sessel als Sofa mit Blick, Himmel Himmel Himmel, ein Mann in der Kneipe, ein Tee ohne Milch, immer der Seehund, der mir zuzwinkert, meine Brille ist nicht absetzbar, die Idee, Kochen mit Meerwasser zu googeln (für das Umami), die Idee, auf der Insel ein Nikkei-Restaurant zu eröffnen, die Idee, alles zu fermentieren und davon zu leben, die Idee, ganz Deutschland endlich autofrei zu halten, die Schönheit knorpelig windgeplagter Bäume, es gelingen mir nur die Makro-Aufnahmen und der Snack-Teller ist leer.

Ich stehe auf dem dünnen Klodeckel, unter dem sich das bräunliche Inselwasser sammelt, stecke den Kopf durch das Fenster in die kühle Abendsonne und höre den Vögeln zu. Kurz bin ich sehr glücklich. Ich wiederhole das Experiment, diesmal mit meiner Kamera, komme dabei zum gleichen Ergebnis und der Erkenntnis, dass ein Gefühl von Glück bei mir oft mit einem Gefühl von Wind oder dem Flug von Vögeln zu tun hat. Ich klemme mir beim Schließen des Klofensters den Finger ein, lasse mich aber davon nicht stören.

Ricarda Kiel