Ich habe eine Stunde am Risotto gerührt und es hat mir nicht geschmeckt.

Ich entdecke Jesse Ball. Jesse Ball schreibt einen gesamten Roman in sechs Tagen, weil das Schreiben für ihn eine Performance ist, die an einem Stück durchlebt und für die Leser erlebbar gemacht werden muss. Vergleichbar mit einem Klavierkonzert, das Fehler enthalten darf, aber durch das Erleben am Stück mehr Reichtum enthält, als wenn es fehlerfrei aus einzelnen Aufnahmen zusammengstückelt würde.

It’s a matter of just setting the things down and accepting that other people might not like them. You set a sentence down and it should be the least that’s possible to say about the subject.
— Jesse Ball

Daran merke ich, wie sehr ich selber offensichtlich glaube, dass ein Buch lange brauchen muss, und dass auch dieser Glaube abschüttelbar ist. Vielleicht könnte das Schreiben ja Spaß machen und schnell gehen? Ich traue dem noch nicht.

Seine Freundin braucht länger für ihre Bücher und findet, dass das Ding mit der Zeit überbewertet und ein Buch kein Kuchen ist:

Ball wird hier gefragt, wie er sich auf das Schreiben seines Buches vorbereitet, und er antwortet:

The preparation is about paying attention to what you love and to be able to see as clearly as possible. It’s a matter of your whole life’s regime […].
— Jesse Ball

Ich habe eine Stunde am Risotto gerührt und es hat mir nicht geschmeckt.

Ich habe die Aquarellfarben ausgepackt und blasse Bilder gemacht.

Where's the point if I'm not having any fun?

Die Freude kommt mit der Aufmerksamkeit, mit was auch sonst, und die kommt mit der Wachheit. Ich verabschiede mich (zum wiederholten Mal) von der ebenfalls immer noch in mir verkrallten Vorstellung, dass Kunst nur das sein kann, was nichts mit unmittelbaren Bedürfnissen, mit Körper und Alltag und dem eigentlichen Leben zu tun hat.

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Ich will diese falschen Wertungen des Angewandten nicht mehr, ich will diese Stimmen nicht in mir, ich will vom Essen schreiben, ich will so viel Geld machen und so viele hübsche Fotos und dumme Sprüchlein, wie ich eben will und ganze Schmucklabels und große rohe Mengen an Texten, ich will Tiere und Babies mögen, ich will lila flatternde Kohlblätter zusammenbinden oder auch nicht, es spielt keine Rolle und natürlich spielt nur das eigentlich eine Rolle: Wie fühlen wir dabei mehr?

Was würde ich sagen, wenn ich weniger sagen wollen würde?

Ricarda Kielzitat, essay of a sort