Nichts in mir ist kaputt.

Nichts in mir ist kaputt.

Ich will ruhen, schnitzen, nichts tun, spazieren gehen, einfach nur um des Ruhens, des Holzes, des Nichtstuns, des Spaziergangs willen. Und nicht, um danach besser zu arbeiten, besser zu denken, mehr zu sein.

(Ist das heute überhaupt noch möglich? Noch denkbar?)

Ihr Optimierer, App-Entwickler, Self-help-Autorinnen, ihr versucht, mich von innen her zu kapitalisieren, aber ich mache nicht mit. Mein Innenraum ist meiner, und hier ist kein Platz für diese verzerrten Wertungen, hier ist schon genug los.

Nichts in mir ist kaputt, nichts muss repariert werden.

Fangen wir wieder dort an, bei der Dankbarkeit: Ich bin dankbar für den ersten Morgen im Jahr, an dem ich mit offenem Fenster Yoga machen kann, für diese süße Mango in meinem Mandelmüsli, für Rosen, die gedeihen, für eine durchgeschlafene Nacht mit Träumen von einem wildbemaltem Overall und Artischoken-Marmelade in Schokoladentafelform, I was always on the go, für Umarmungen und Anrufe.

Und fangen wir wieder bei den Zweifeln an: Dienen die Dankbarkeitsübungen, verankernden Meditationen, Atemübungen – dienen die nicht hauptsächlich dazu, mich still und stumm zu stellen? Voller Ruhe und innerer Stille, damit ich aushalten kann, was kommt? Wouldn't it be so much more important for me to cultivate a practice of loudness?

Hier ist kein guter Ort für Paranoia.

Ich muss mir das gestalten, was mir dient, und selber die Verantwortung darüber behalten, wie laut und leise, wie still und stark ich sein und werden will.

„Die wollen, dass wir …“ ist eine wichtige Aussage.

„Aber ich werde nicht.“ ist doch die wichtigere Aussage, für die muss die erste nicht mal wahr sein.

Wenn ich mich auf die zweite Aussage konzentriere, nur das kontrolliere, was ich kontrollieren kann, lasse ich dann aber „die“ aus der ersten Aussage aus ihrer Verantwortung?

Wo ziehe ich diese Grenze, wann will ich jemanden stellen, wo habe ich die feste Überzeugung, dass jemand (eine Person, ein Staat, ein System) eine Verantwortung hat und sie tragen muss? Wann bin ich mal wirklich fucking wütend? Wann ist das dienlich und wann ist es nur Rausch und Verschwendung der eigentlichen Energien. What fuels me?

    Ist Lyrikerin und Unternehmerin, wohnt in München und in Leipzig, trägt einen Goldring und einen Silberring.