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Die Heinis

Es gibt jetzt ein Buch von mir. Es ist bei hochroth München erschienen und heißt: Kommt her ihr Heinis ich will euch trösten.

Darin sind einige etwas längere Gedichte und dazwischen handgeschriebene Dreizeiler, also meine Wörtchen.

Falls es dich interessiert: Hier kannst du den Band bestellen, was mich natürlich sehr freuen würde, und ein Gedicht daraus lesen, was mich ebenfalls freuen würde.

Diese Stadt

Vor meinem Haus übergeben sich Blondinen unter rotem Himmel

Ich stehe am Fenster und nage an einem Knochen sie stützen sich
so schön ab und werden morgen alle stinken ich stehe am Fenster und
reibe meine Hosennähte soll ich ihnen ein Stück Kuchen bringen

Durchsichtige Engel haben genug von dieser Stadt sie suchen Hunde
denen sie in die Augen schauen können und verpassen darüber ihren Flug
im DM am Flughafen suchen sie Trost

Mein Bruder steht nicht mehr an seinem Fenster er bringt ihnen Kuchen
hält ihnen die Haare und wischt ihre Stirn führt sie in weiche Betten und
deckt sie zu die Blondinen seufzen

Die Engel bekommen einen Flieger und können endlich
ihre Stirn an das doppelte Glas lehnen

 

(Das Gedicht wird hier fein besprochen von Leander Beil. Trotz der Blondinen darin.)

Ricarda Kielgedicht
eating peanuts

You walked here

picking ground elder

and stinging nettle

tearing the leaves

into a salad

dressed only

by dogs

I am the one

who watches you eat

these leaves

eating peanuts

I am a peanut please love me

You’re like that

You like stuff like that

I can’t even

call that dinner

But you look at me

with the clearest of eyes

Ricarda Kielgedicht
Google

Manchmal nachts stelle ich mir vor ich wäre Google
schiebe mit Schaufelhänden zusammen was die Welt von sich gibt
stecke es in den Mund und esse es alles es schmeckt nach Gluten

Ricarda Kielgedicht
Duftstein

Mein Duftstein ist eine matte Grapefruit, neben einer wachsigen Mango, neben einer ledrigen Avocado. Oder ist die Mango matt und die Grapefruit wachsig und die Avocado genoppt?

Ricarda Kielgedicht
Scraps of Paper

“HI!!” I’m shouting right now from the middle of the storm; wind gusts blowing scraps of paper and compost and peanuts all around us … “HOW ARE YOU??!”

Ricarda Kielgedicht, bild
Die Fabrik

Ich schnitze dir eine Fabrik
Wir nennen sie Rostblau und Partner
Da kannst du jeden Morgen hin
Du bekommst einen Pförtner
mit Sommersprossen
Und einen eigenen Bahnhof
an dem sonntags die Kinder mit
ihren Zigaretten lungern
Einen Kittel und ein Wurstbrot
für die Wochentage
Ein liniertes Heft zu deinem Kuli und
abends kannst du am Fenster sitzen und
Melonenkerne auf die Schienen spucken

Ricarda Kielgedicht
Hi!

Ich schäle mich aus der Nacht und verschlinge die Welt
Trinke ihren Kakao aus rauschenden Adern
Knacke ihre Baumnüsse mit malmendem Kiefer
So bin ich aufgewacht so gehört sie mir

Stöpsel mich klinke mich bin ganz da
In das eine Ohr schütte ich den Frühfang
Aus dem anderen kommen Statusmeldungen:
Ich grüße dich von meinem regennassen Ast

Ricarda Kielgedicht
Märzvorstadt

Das Milchkännchen ist schwer und satt
Unser Honig kristallisiert, sobald einer hinschaut
Meine Ohren werden rot und der Honig immer weißer

Wenn du fort bist, singe ich mehr
Wenn du da bist, tanze ich mehr
Egal wo du bist, höre ich von dir
Die leeren Flaschen pfeifen deinen Text

Du nimmst Baldriantropfen und schläfst ein
Ich wache auf und nehme Kopfwehtabletten
So stoßen wir aneinander und an Tag und an Nacht
Ansonsten sind wir glücklich

Ricarda Kielgedicht
Muschelproblem

Ich kann mit Überzeugung sagen ich muss hier sitzen bleiben
Noch eine Weile länger dann finden die Wörtchen ihren Weg zu mir
Sie sind klein und dumm und brauchen lange
Jedes kommt mit seinem eigenen Bett wie eine Auster
Von Austern kann man nur wenig auf einmal essen außer vielleicht du bist geübt
Einmal roch mein Badewasser wie Austernwasser ich streckte die Zunge rein aber es
war no salty brine
Steeping your little words in kindness and business making them strong and smart
Ein anderes Mal aß ich Austern mit neuen Freunden die so schnell waren mit Worten dass mir die Zunge gefror
Vielleicht musst du auch länger sitzen vielleicht ist es zu früh zum gehen
Ein Muschelproblem löst du nur in der Muschel
Ein Sprachproblem im Mund
Treating air like a substance to sculpt
Ein Autoproblem im Parkhaus
Ich kann nicht Auto fahren nur in Träumen
In meinen eigenen und in denen meiner Freunde
Ich chauffiere sie unter vollem Mond führerscheinlos durch ihre Windungen
Keine Polizei hinter uns her und wir haben alle Zeit der Welt.

Ricarda Kielgedicht
Zitrone I

Er schält Zitronen
Setzt die Klinge auf den gelben Poren an drückt sie taucht unter
Einen Sprühnebel aus Ätherischem Öl

Er frittiert die Schale
Legt die Stücke mit der weißen Seite in die Pfanne darin
Schnellen sie vor und zurück wie kleine Fische plötzlich an Land

Er mag diese Pfanne
In der sich ein Ding verhält wie ein anderes
Er kann riechen und sehen und lächelt auf seinen Herd

Ricarda Kielgedicht
(Ich wäre als Weltwind auch wütend.)

Die Straßenlichter schaukeln über mir, ihre Lichtkegel kreisen wie Scheinwerfer über die Straße und es bestätigt sich mein Urverdacht, dass das hier eine Inszenierung ist.

Der Wind erreicht Ecken, die ich nicht kenne und an die ich nie gelangen werde. Er spielt das Haus wie eine Flöte, mit Tönen, die du NOCH NIE IN DEINEM LEBEN GEHÖRT HAST.

Diese saubergeschleckte Stadt verwandelt sich in ein dreckiges Spektakel, denn kein Mensch kommt seinem schnellfliegenden Müll mehr hinterher.

Der Wind schlottert mir das Fahrrad, Brücken überquere ich schon gar keine mehr.

Ich begreife: So fest montiert sind unsere Straßenschilder und Verkehrszeichen gar nicht.

Ricarda Kielgedicht, alltag