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Eine Feministin auf einer Blockchain-Party

Laurie Penny berichtet von einer 4-tägigen Crypto-Konferenz auf einem Cruise-Ship, von bezahlten jungen Osteuropäerinnen, die den Frauenanteil erhöhen und für Spaß sorgen sollen, von einem Panel von „Frauen in Bitcoin“, denen kaum jemand zuhört (trotz der großartigen Zusammenfassung von Olga Feldmeier: „Being a woman in blockchain is like riding a bicycle. Except the bicycle is on fire. And everything is on fire. And you are going to hell.“), von großen Häufen Lobstern und einem Schwangerschaftstest als Teil des spaßigen Begrüßungskits.

… as if you’d been sealed in a single-use packet and slipped into the pocket of god.
— Laurie Penny
Ricarda Kielzitat
Ich habe eine Stunde am Risotto gerührt und es hat mir nicht geschmeckt.

Ich entdecke Jesse Ball. Jesse Ball schreibt einen gesamten Roman in sechs Tagen, weil das Schreiben für ihn eine Performance ist, die an einem Stück durchlebt und für die Leser erlebbar gemacht werden muss. Vergleichbar mit einem Klavierkonzert, das Fehler enthalten darf, aber durch das Erleben am Stück mehr Reichtum enthält, als wenn es fehlerfrei aus einzelnen Aufnahmen zusammengstückelt würde.

It’s a matter of just setting the things down and accepting that other people might not like them. You set a sentence down and it should be the least that’s possible to say about the subject.
— Jesse Ball

Daran merke ich, wie sehr ich selber offensichtlich glaube, dass ein Buch lange brauchen muss, und dass auch dieser Glaube abschüttelbar ist. Vielleicht könnte das Schreiben ja Spaß machen und schnell gehen? Ich traue dem noch nicht.

Seine Freundin braucht länger für ihre Bücher und findet, dass das Ding mit der Zeit überbewertet und ein Buch kein Kuchen ist:

Ball wird hier gefragt, wie er sich auf das Schreiben seines Buches vorbereitet, und er antwortet:

The preparation is about paying attention to what you love and to be able to see as clearly as possible. It’s a matter of your whole life’s regime […].
— Jesse Ball

Ich habe eine Stunde am Risotto gerührt und es hat mir nicht geschmeckt.

Ich habe die Aquarellfarben ausgepackt und blasse Bilder gemacht.

Where's the point if I'm not having any fun?

Die Freude kommt mit der Aufmerksamkeit, mit was auch sonst, und die kommt mit der Wachheit. Ich verabschiede mich (zum wiederholten Mal) von der ebenfalls immer noch in mir verkrallten Vorstellung, dass Kunst nur das sein kann, was nichts mit unmittelbaren Bedürfnissen, mit Körper und Alltag und dem eigentlichen Leben zu tun hat.

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Ich will diese falschen Wertungen des Angewandten nicht mehr, ich will diese Stimmen nicht in mir, ich will vom Essen schreiben, ich will so viel Geld machen und so viele hübsche Fotos und dumme Sprüchlein, wie ich eben will und ganze Schmucklabels und große rohe Mengen an Texten, ich will Tiere und Babies mögen, ich will lila flatternde Kohlblätter zusammenbinden oder auch nicht, es spielt keine Rolle und natürlich spielt nur das eigentlich eine Rolle: Wie fühlen wir dabei mehr?

Was würde ich sagen, wenn ich weniger sagen wollen würde?

Ricarda Kielzitat, essay of a sort
i think that works let me check on smthing
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The truly free man is the one who will turn down an invitation to dinner without giving an excuse.
— Jules Renard

Oh, but to become this man as a woman is difficult.

Es ist Freitag Nachmittag, und ich habe noch zwei Stunden vor meiner Verabredung. Ich habe eine Liste von To-Dos für meine Nebenprojekte, die ich angehen könnte, und einen Stapel unbeantworteter E-Mails für meine Erwerbsarbeit, die ich beantworten könnte.

Hier kommt die Frage: Do you want to be a reliable source of literary art (or whatever writing you do), or of prompt emails?

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Ich entscheide mich dafür, mein Atelier zu putzen.

Weil ich dabei über das Verhältnis von Neben und Erwerb nachdenken kann, weil ich dabei merke, dass ich einen Körper habe, weil ich nur im Körper die Unruhe stillen kann, die mich davon abhält, es in meinem Kopf zu mögen, weil es dreckig war.

(Zitat von Renard von hier)

Ricarda Kielalltag, zitat
I Await the Devil's Coming

Ich sitze in einem neuen Stuhl mit engen Armlehnen um zu tippen muss ich meine Arme eng an meinen Körper drücken. Aber ich tippe trotzdem denn ich habe mir vorgenommen zu veröffentlichen ich habe mir vorgenommen diesen Raum zu füllen den ich als meinen abgesteckt habe der endlos ist wie heute alles endlos ist. Ich versuche ihn mit Bildern zu füllen die meine sind aber das ist schon lange ein Witz. An einem Buch zu schreiben und gleichzeitig einen Raum zu füllen und gleichzeitig viele kleine Räumchen zu füllen und gleichzeitig in tausend andere Räumchen hineinzuschauen hat mein Hirn in Knoten gelegt.

I think it’s strange that silence is often perceived now as non-action. Being silent doesn’t mean you’ll be silent forever. It just means that you’re interacting with the world in a different way, and perhaps that’s a sensible protest to a world that rewards shouting and instant reaction. I think that’s why I like books so much, because that gestation period is so long that it resists that notion of having to be available right now, right here. It doesn’t.
— Chelsea Hodson
Ricarda Kielalltag, zitat
Hohe Hüte, kleine Knöpfe. Ein Pilztagebuch.

Ledrig, wie lackiert, wie schon gekocht, wie leuchtend im dunkeln, matt, stumpf, zerbrochen, zerfleddert, geschuppt, glitzernd vom Schneckenschleim, genoppt, beperlt, sandig, auf dürren Stängeln, auf dicken runden Hälsen, kugelig wie Astronauten, verschrumpelt, zusammengezogen wie Haselnuss-Umhüllungen, mit gelben leuchträndern, mit nassen schwarzen Triefrändern, hohe Hüte, kleine Knöpfe, gesprenkelt, gepunktet, in matten braunen Massen, einzelne stolze Skulpturen, leuchtrot, lackrot, lachsrosa, zartrosa, hellweiß, beige, gelbocker, lederbraun, grünlich leuchtend, violett mit zarten Streifen.

Nature is full of things that we can all agree on and I trust the power of that more than anything these days.
— Sarah Ryhanen

Wie er sich im Bad einen winzigen Waschlappen nimmt, um sein Gesicht damit abzutrocknen. Wie sie mit den weißen Haare in der Gaststube mit dem Strohhalm in ihrem Glas stocherte, eine Frucht herausfischte, so aussah, als kenne sie weder das Getränk noch das Prozedere. Wie der Koch von seinen Waldpilzen schwärmte, wie g’molt hätten die dagelegen. Die Katze, die uns auf der Straße um die Beine schleicht, Socks, sage ich, Sockety Sock, sagt er.

Auf dem öden Rasenstück vor dem Wohnblock gegenüber vom Friedhof wachsen dicke weiße Champignons, von Hundeschnauzen zerschnüffelt.

Laurie Anderson sagt:

The world may end. You’re right. But that’s not a reason to be scared. None of us know what will happen. Don’t spend time worrying about it. Make the most beautiful thing you can. Try to do that every day. That’s it.
Anxiety stops you from enjoying being in your head.
Do all of the things. Don’t just write a book right now. DO ALL OF THE THINGS RIGHT NOW. Enjoy them and celebrate them. Today is all you have. You don’t need a future. You don’t need a finish line. When you realize that, time slows down. You just need this day.

Believe in this day. Celebrate your funky, fucked-up brain and your off-kilter, uncertain life today, and you’re a success, period. (…)That’s all there is. It is enough.
— Heather Havrilesky

Das ist von hier und die einzige Art von Fatalismus, die ich gerade ertragen kann, und die ich dringend brauche. Mein Problem ist nicht, dass ich die Dinge nicht ernst genug nehme, sondern dass ich sie nicht genug genieße. Wie Hund: rein ins Wasser.

Da wieder hinkommen: Es in meinem Kopf mögen, und total abfeiern, was dort passiert.

Ricarda Kielzitat
Ich weiß nicht was ich sagen soll. Dann erzähl ich es allen.
who can time their needs to all those current trends
— Anna Artmann

Aus diesem Artikel, den ich lese und gleich darauf das nächste Loblied auf Anna und ihre Texte schreiben will. Sie inspiriert mich so sehr, weiter zu schreiben und mit dieser Öffentlichkeit umzugehen, einfach so und weiter so.

Und dann überrede ich sie, für Wepsert einen Artikel auf deutsch zu schreiben. Dabei ist ihr Text „Mit den Händen arbeiten“ entstanden, in den ich mich sehr verliebt habe. Ich frage mich, woran das liegt: Weil das eine Realität ist, die ich kenne, aber so selten höre? Weil Romanfiguren und lyrische Ichs sonst keine Bauerneltern haben oder handwerklich arbeiten?

Sie schreibt dabei über das Schmuckmachen und ihre Wut und wie das Handwerk verklärt wird und was weh tut und wie sie ihr Leben von anderen erklärt bekommt und vom Land und der Stadt, und ich bin ihr schon wieder so dankbar, weil irgendwie wirklich niemand über diese Themen schreibt, oder nicht so, dass es bei mir ankommt.

Da musst du schon ganz hart sein, um mit 14 zwei alte Männer und die Metallkälte aushalten zu können. Den Flexgeruch. So viel Spezi kannst du gar nicht saufen. Wenn die in der Mittagspause draußen im Hof, auf der Waschbetonbank ihre Plastikdosen aufmachen, willst du weinen.
— Anna Artmann
Ricarda Kielzitat
Keiner weiß, wie es geht.
When you make movies, it’s always disturbing how confident everyone involved is that they know how things should be done. And you have to constantly remind them, No, you don’t know how it’s done, I don’t know how it’s done, nobody knows how it’s done. You create chaos as a way of destabilizing the surroundings that could bring you to make something that would otherwise be conventional.
— Olivier Assayas

Du schaffst dir Chaos, um deine Umgebung aus dem Gleichgewicht zu bringen, die sonst dazu führen würde, dass du etwas Konventionelles machst.

Aus diesem Artikel über Claire Denis, wie auch dieser Gedanke, in einer weiteren Beschreibung ihrer Herangehensweise:

You watch ‘Chocolat,’ and it’s remarkable. This is a first movie by someone who has not one question about what her rights are as a storyteller.
— Barry Jenkins

Having no questions about what my rights are as a storyteller – das klingt so schön und furchtlos. Ich habe Fragen zu meinem Recht, Kunst zu machen, aber auch das ist in Ordnung, denn auch das ist ein destabilisierendes Element.

Die wichtigste Erinnerung: Keiner weiß, wie es geht, und das ist gut so.

Ricarda Kielzitat
Bodies

Meine Schulter schmerzt von den ersten Schnitzversuchen, von einem Tag, den ich nur in der Werkstatt verbracht habe. Bin ich wohl nicht mehr gewohnt.

Beim Duschen dann Überlegungen, wie das wieder zu richten ist.

Dann der Gedanke von einem Freund von mir: Diese ganze Unversehrtheit des Körpers ist ein bürgerliches Ideal. Ein Bauer, eine Bäuerin hat ihren Körper einfach als Werkzeug eingesetzt und als er fertig war, war fertig.

Dann der Gedanke an Beuys, der lacht und sagt er müsse sich verschleißen, sonst wäre er ja am Ende noch gut, das wäre doch sinnlos:

Jeder Mensch muss sich verschleißen. Wenn man noch gut ist, wenn man stirbt, ist das Verschwendung. Man muss lebendig zu Asche verbrennen, nicht erst im Tod.
— Joseph Beuys
Ricarda Kielzitat, alltag
Experience on the page
As kids we went to the page to find something, to have an experience. As adults we have it backwards. We think that we need to have an experience before we go to the page.
— Lynda Barry (via Austin Kleon)

Genau das: Früher habe ich gezeichnet, und es war ein Erlebnis. Im Zeichnen habe ich Geschichten, Orte, Wesen erfunden und gelebt, im Zeichnen war ich woanders, Zeichnen war Leben wie alles andere auch.

Wenn ich heute versuche zu zeichnen, versuche ich, etwas zu erreichen. Ich will eine Person sein, die zeichnet. Und scheitere, denn so und zur Zeit bin ich keine Person, die zeichnet.

Was vermutlich daran liegt, dass ich im Zeichnen selbst kein Erlebnis mehr habe.

Was ich so sehr vermisse.

Da will ich wieder hinkommen. Durch den Schmerz hindurch, durch die Scham, durch die krüppeligen Collagen, durch die hässlichen Striche. Oder an ihnen vorbei, in einem anderen Boot.

Auch hier – on the page – beim Zeichnen und Schreiben und Collagieren, geht es wieder um Intuition und das Auswählen und Nutzen der Werkzeuge dafür.

Und auch hier um die Erfahrung, um so etwas wie Präsenz und Ziellosigkeit und Unoptimierbarkeit: nicht zeichnen, um so oder so zu sein, sondern zeichnen, weil es Spaß macht.

    Ricarda Kielzitat, alltag
    I add to it.
    I am not satisfied with the world, so I add to it. My desires are on display. What I make I love and hate.
    — Lynne Tillman
      Ricarda Kielzitat
      Nudges

      Ich mache einen Online-Kurs zur Stärkung meiner Intuition. Jeden Tag erhalte ich eine Mail mit etwas aufmunterndem Text zu den „Nudges“, also den Intuitions-Stupsern, die ich erhalte oder erhalten soll, und eine kleine Übung dazu.

      Ein Teil von mir spottet jeden Morgen über diese Mails und die Übungen, die hauptsächlich Anregungen für Collagen sind. Ein anderer Teil von mir rollt die Augen und setzt sich trotzdem hin und verbringt eine Stunde damit, Bild- und Wortfetzen auszuschneiden. Ein weiterer Teil von mir atmet auf in dieser Stunde, und glaubt, auch hier natürlich etwas lernen zu können.

      Dieser Teil lernt: Alles können Stupser sein – auch all die alltäglichen Sätze und Bilder, die sich aus unbestimmten Gründen wichtig anfühlen. Die ich irgendwo lese, aufschnappe, träume. Also eigentlich alles, was ich mir ohnehin schon immer notiere.

      Der interessante Sprung passiert dann, wenn ich dieses „was ich mir eh schon immer notiere“ als Werkzeug begreife, um zu hören, was drinnen los ist und was deshalb draußen hängen bleibt. Was sich zeigen will.

      Dafür muss ich vermutlich das Gefühl loslassen, dass es Luxus und frivol und egoistisch ist, sich so viel mit diesem Innen zu beschäftigen. Ich will davon ausgehen, dass das Zuhören und Achtgeben ein normaler, gesunder und wichtiger Teil meiner Arbeit ist. Dass das einfach die andere Hälfte ist:

       
      Heart Museum aus  Durga Chew-Bose ,  Too Much and Not the Mood

      Heart Museum aus Durga Chew-Bose, Too Much and Not the Mood

       

      Taking more pride in my thoughts. Selbstbewusster mein inneres Werkeln dokumentieren.

      Das ist, wie so vieles andere auch, eine Frage von gefühlter Berechtigung.

      Kein Recht darauf und voll dabei.
      When I write something that I don’t have the right to write, that could fail, then I’m not being a professional – I’m being an artist.

      As an artist, my job is doing things that might not work.
      — Seth Godin

      Ich denke über Kunst und Selbstsicherheit nach.

      Zu sagen: Ich schreibe an einem Buch, ich mache Kunst (nicht „ein Projekt“, sondern Kunst), ich bin Künstlerin – das braucht so viel Selbstbewusstsein.

      Mal habe ich’s, mal nicht. Ich begreife erst jetzt allmählich, dass ich das in Teilen steuern kann. Dass ich mich entscheiden kann, meine Impulse ernst zu nehmen und mir bewusst die Überzeugung aufzubauen, dass ich eine Künstlerin bin. Es muss ja damit anfangen, dass ich meine Arbeit, und mich, ernst nehme.

      Ich frage mich dabei zwei-, nein, dreierlei:

      1. Wann habe ich das Recht, zu sagen, dass ich Kunst mache?

      Wieso bleibt wider besseren Wissens in mir der Wunsch, dass es eine Art von Jüngstem Kunstgericht gäbe, jemand, der aufteilt und sagt: Das hier ja, das dort nein?

      (Weil ich gerne eine Sicherheit hätte, aber zu faul bin, mir die selber zu erarbeiten?)

      2. Wann haben Andere das Recht, zu sagen, dass sie Kunst machen?

      Erstmal im Sinne von: Wann gestehe ich es ihnen zu, was akzeptiere ich selber als Kunst? Habe ich dafür sichere und klare Kriterien?

      Aber auch und vor allem im Sinne von: Wie können wir unsere Gesellschaft anders strukturieren, und zwar so, dass nicht nur weiße, gesunde Männer aus gutem Hause das mit größter Überzeugung sagen?

      Wie bauen wir uns Strukturen für die am Rand? Brauchen wir am Rand überhaupt Strukturen? Ist das nicht auch gerade das Schöne, dass wir hier auf nichts und niemanden achten müssen?

      (Ja, das ist schön. Aber nur hilfreich, solange wir es nutzen.)

      3. Und drittens: Wie wäre es mit der Überlegung, dass es vor allem dann Kunst ist, solange wir nicht das Recht dazu haben?

      Und sobald wir das Recht dazu haben, wird es Beruf und Profession und professionell, was alles wunderbar ist, aber eben keine Arbeit mehr am Rand?

      Ist es dann eher Kunst, wenn ich von einem anderen Ort aus arbeite als aus dem Recht darauf? Aus einem anderen Selbstbewusstsein als dem erarbeiteten, ererbten, eingeübten? Von der kippligen Kante und stolz darauf?

      PS. Ich schreibe an einem Buch. 

      Was sich zeigen will

      Ich war lange nicht hier.

      Ich war auf anderen Baustellen – ich habe wepsert ein neues Zuhause gebaut, die Patchwork-Plattform erstellt und befüllt, diegutewebsite.de komplett überarbeitet.

      Ich war unterwegs, zwischen München und Leipzig und hundert Orten dazwischen und auf zwei Inseln, für die Arbeit, für Erholung, für Abenteuer, mit Freunden, mit Familie, mit Fremden, in fröhlicher Mission, in trauriger Mission.

      Ich war am Ankommen, in meinem neuen riesigen Atelier mit den viel zu vielen Räumen, die ich alle einzeln erst kennenlernen und untersuchen musste, und jetzt natürlich nicht mehr missen mag.

      Und ich hatte den Rhythmus verloren, den Rhythmus, in dem ich einfach so etwas von mir zeige, ohne Programm und Plan und Plattform. Eine Weile ging das ganz gut auf Instagram, aber ich habe mich dort zu sehr ablenken lassen, also hab ich's erstmal für mich gesperrt.

      Aber irgendwas will doch raus, will sich zeigen, will veröffentlichen ohne Grund und Ziel.

      Deshalb habe ich mir meine Seite jetzt zu meiner eigenen Social Media Plattform umgebaut.

      So wie ich sie mir erträume, mit der richtigen Mischung für mich aus Bild und Text, Ernst und Quatsch, oben und unten. Als ein Ort, an dem ich eine Auswahl aus meinem täglichen Gedanken- und Bilderfluss platzieren kann, um sie in diesem Prozess gleichzeitig zu strukturieren und Freude daran zu haben.

      Ich verstehe auf einmal, dass ich meinen eigenen Blog nicht als mehr Arbeit sehen will, als ein weiteres hustling, sondern als eine Pause. Als eine Reflektion vom Tag, von der Woche, ein Sortieren der bereits gemachten Arbeit, als ein kleines Sabbatical.

      Zwei Gedanken haben mir dabei geholfen, mir diesen digitalen Ort wieder zu erobern. Zum einen Austin Kleons Überlegungen zur laufenden Arbeit mit Notiz- und Tagebüchern:

      Almost every writer will tell you how important it is to keep a daily diary or notebook, but very few emphasize how important it is, if you want to publish, to have a system for going back through those personal notebooks and diaries and turning them into public writing.
      — Austin Kleon

      Zum anderen, wie schon so häufig, Sarah Ryhanens Weisheit, und ihre eigene ausdauernde, liebevolle, selbstverständliche Nutzung ihres Blogs. Hier ein Ausschnitt aus ihren Notizen während ihres Sabbaticals:

      This morning I woke up and realized I don’t want to be a business woman. That is the purple, the radical. Instead, I really only want to make the most beautiful flowers in the world and share them. I want to let myself go back to the place where ecstasy and aching are knit together - a creative place that fills me up so much that it overflows - then only can I really begin.

      I think as success oriented women, we so easily slide away from knowing or listening to what is really calling us, what we really want. We turn our creativity into commodity - make an armor of personal dogma and sell the shit out of it. Sacrifice our essence for the sterile image of perfection as so easily witnessed on social media these days. I’m thinking so much lately about how to earn a living doing what I love and staying close to what I really want. Excuses about money or fear of failure sort of fade when you are living at the bottom of a pond. I remind myself to stay present with what matters most. I can, after all, always wait tables.
      — Sarah Ryhanen

      Ich staune über die Sicherheit und Eindeutigkeit, mit der ich auf einmal weiß, wie es weitergeht, wie ich Lust darauf habe, wie sich aus all dem Grübeln und Zeit-geben und Mäandern jetzt doch eine Linie ergibt. Wie die eingeübte Ehrlichkeit der letzten Monate, mit Patchwork und wepsert, sich auf einmal auszahlt, wie ich gleichzeitig begreife, dass ich eine Zeitlang schon mal viel ehrlicher war, wie ich verstehe, dass das Phasen sind.

      Wie ich darauf vertraue, dass die nächste Phase beginnt, und dass ich in dieser Phase mit einer neuen und schönen Selbstverständlichkeit das erkennen und bei dem bleiben kann, was mich ausmacht.

      Die Rosen-Nüsschen, die ich im Herbst umständlich aus einer dicken Handvoll Hagebutten herausgeklaubt habe und die im Kühlschrank überwinterten, fangen dieser Tage an zu keimen. Ich pflanze sie ein und begreife dabei, dass das genau das Gleiche ist: Kleine Mulden drücken und sie füllen.

      Richness of meaning
      I am for richness of meaning rather than clarity of meaning; for the implicit function as well as the explicit function. I prefer “both-and” to “either-or,” black and white, and sometimes gray, to black or white. A valid architecture evokes many levels of meaning and combinations of focus: its space and its elements become readable and workable in several ways at once.
      — Robert Venturi
      Ricarda Kielzitat
      Post-election

      Meaghan O'Connell on dreading a trip to see family post-election: This is nothing really, this possible discomfort, though you have to watch how it changes you, make sure you're changed in the right direction. Make sure you don't just go running away in the other direction.

      And, by Naomi Shihab Nye, via Rachel W. Cole, from a poem called Kindness:


      (…)

      Before you learn the tender gravity of kindness,
      you must travel where the Indian in a white poncho
      lies dead by the side of the road.
      You must see how this could be you,
      how he too was someone
      who journeyed through the night with plans
      and the simple breath that kept him alive.

      Before you know kindness as the deepest thing inside,
      you must know sorrow as the other deepest thing. 
      You must wake up with sorrow.
      You must speak to it till your voice
      catches the thread of all sorrows
      and you see the size of the cloth.

      Then it is only kindness that makes sense anymore,
      only kindness that ties your shoes
      and sends you out into the day to mail letters and
           purchase bread

      (…)

      Ricarda Kielzitat