Was sich zeigen will

Ich war lange nicht hier.

Ich war auf anderen Baustellen – ich habe wepsert ein neues Zuhause gebaut, die Patchwork-Plattform erstellt und befüllt, diegutewebsite.de komplett überarbeitet.

Ich war unterwegs, zwischen München und Leipzig und hundert Orten dazwischen und auf zwei Inseln, für die Arbeit, für Erholung, für Abenteuer, mit Freunden, mit Familie, mit Fremden, in fröhlicher Mission, in trauriger Mission.

Ich war am Ankommen, in meinem neuen riesigen Atelier mit den viel zu vielen Räumen, die ich alle einzeln erst kennenlernen und untersuchen musste, und jetzt natürlich nicht mehr missen mag.

Und ich hatte den Rhythmus verloren, den Rhythmus, in dem ich einfach so etwas von mir zeige, ohne Programm und Plan und Plattform. Eine Weile ging das ganz gut auf Instagram, aber ich habe mich dort zu sehr ablenken lassen, also hab ich's erstmal für mich gesperrt.

Aber irgendwas will doch raus, will sich zeigen, will veröffentlichen ohne Grund und Ziel.

Deshalb habe ich mir meine Seite jetzt zu meiner eigenen Social Media Plattform umgebaut.

So wie ich sie mir erträume, mit der richtigen Mischung für mich aus Bild und Text, Ernst und Quatsch, oben und unten. Als ein Ort, an dem ich eine Auswahl aus meinem täglichen Gedanken- und Bilderfluss platzieren kann, um sie in diesem Prozess gleichzeitig zu strukturieren und Freude daran zu haben.

Ich verstehe auf einmal, dass ich meinen eigenen Blog nicht als mehr Arbeit sehen will, als ein weiteres hustling, sondern als eine Pause. Als eine Reflektion vom Tag, von der Woche, ein Sortieren der bereits gemachten Arbeit, als ein kleines Sabbatical.

Zwei Gedanken haben mir dabei geholfen, mir diesen digitalen Ort wieder zu erobern. Zum einen Austin Kleons Überlegungen zur laufenden Arbeit mit Notiz- und Tagebüchern:

Almost every writer will tell you how important it is to keep a daily diary or notebook, but very few emphasize how important it is, if you want to publish, to have a system for going back through those personal notebooks and diaries and turning them into public writing.
— Austin Kleon

Zum anderen, wie schon so häufig, Sarah Ryhanens Weisheit, und ihre eigene ausdauernde, liebevolle, selbstverständliche Nutzung ihres Blogs. Hier ein Ausschnitt aus ihren Notizen während ihres Sabbaticals:

This morning I woke up and realized I don’t want to be a business woman. That is the purple, the radical. Instead, I really only want to make the most beautiful flowers in the world and share them. I want to let myself go back to the place where ecstasy and aching are knit together - a creative place that fills me up so much that it overflows - then only can I really begin.

I think as success oriented women, we so easily slide away from knowing or listening to what is really calling us, what we really want. We turn our creativity into commodity - make an armor of personal dogma and sell the shit out of it. Sacrifice our essence for the sterile image of perfection as so easily witnessed on social media these days. I’m thinking so much lately about how to earn a living doing what I love and staying close to what I really want. Excuses about money or fear of failure sort of fade when you are living at the bottom of a pond. I remind myself to stay present with what matters most. I can, after all, always wait tables.
— Sarah Ryhanen

Ich staune über die Sicherheit und Eindeutigkeit, mit der ich auf einmal weiß, wie es weitergeht, wie ich Lust darauf habe, wie sich aus all dem Grübeln und Zeit-geben und Mäandern jetzt doch eine Linie ergibt. Wie die eingeübte Ehrlichkeit der letzten Monate, mit Patchwork und wepsert, sich auf einmal auszahlt, wie ich gleichzeitig begreife, dass ich eine Zeitlang schon mal viel ehrlicher war, wie ich verstehe, dass das Phasen sind.

Wie ich darauf vertraue, dass die nächste Phase beginnt, und dass ich in dieser Phase mit einer neuen und schönen Selbstverständlichkeit das erkennen und bei dem bleiben kann, was mich ausmacht.

Die Rosen-Nüsschen, die ich im Herbst umständlich aus einer dicken Handvoll Hagebutten herausgeklaubt habe und die im Kühlschrank überwinterten, fangen dieser Tage an zu keimen. Ich pflanze sie ein und begreife dabei, dass das genau das Gleiche ist: Kleine Mulden drücken und sie füllen.