Blindheit ist nicht die Antwort.

Statements like these assume that people of color are just like me, white; that they have the same dreams, standards, problems, peeves that I do. “Colorblindness” negates the cultural values, norms, expectations and life experiences of people of color, and most importantly, their experience as a target of racism. Even if an individual white person could ignore a person’s color, the society does not. By saying we are not different, that we don’t see their color, we are also saying we don’t see my white-ness. This denies their experience of racism and our experience of privilege. “I’m colorblind” can also be a defense when afraid to discuss racism, especially if one assumes all conversation about race or color is racist. Speaking of another person’s color or culture is not necessarily racist or offensive. As one of my African American friends says, “I don’t mind that you notice I’m Black.” Color consciousness does not equal racism.“ – aus Detour-Spotting for white anti-racists von jona olssonDie von weißen Menschen gelegentlich gemachte Aussage „Ich sehe gar nicht, dass du anders bist, dass deine Hautfarbe anders ist“ ist oft ein Versuch, „nicht rassistisch“ zu sein. Wir sind doch alle gleich, ich akzeptiere dich als gleich, steckt darin, und damit auch der Versuch zu zeigen, dass man selber eine gute weiße Person ist.

Es soll dem ‘Ich sehe keine Farbe, für mich sind alle Menschen gleich’ etwas entgegensetzen. Mit einer solchen Aussage wird Rassismus verleugnet.“ – aus dem Innenansicht Magazin im Interview mit Julia von dem Kollektiv Wir müssten mal redenIn der Realität verleugnen wir aber in diesem Moment den strukturellen Rassismus und die Kultur, in der wir alle leben, die wiederum sehr wohl sehen, dass dieser Mensch anders ist als unsere konstruierte Norm. Damit verleugnen wir also alle kulturellen Unterschiede und Erfahrungen dieser Person, die positiven wie die negativen, und gleichzeitig unsere unverdienten Privilegien als weiße Menschen.

Unterschiede zu sehen ist nicht rassistisch. Menschen aufgrund ihrer Unterschiede schlechter zu behandeln dagegen schon.

Wenn ihr sagt: “Für mich bist du nicht mehr behindert”, dann meint ihr wahrscheinlich, “Ich weiß, dass du im Rollstuhl sitzt, aber ich nehme dich in erster Linie als Mensch wahr – statt als Mensch mit Behinderung.” Was ich aber leider oft heraushöre ist, dass man die Diskriminierung, der ich als Mensch mit Behinderung ausgesetzt bin, nicht sieht. Und das trifft mich.“ – Raul KrauthausenDas gilt ähnlich auch für Menschen mit körperlichen Einschränkungen: Auch hier kann die Aussage, dass die Behinderung ja gar nicht (mehr) sichtbar sei, für die Negativbetroffenen die Kraft, die sie täglich aufbringen müssen negieren, und die Diskriminierung und Behinderungen von außen, gegen die sie täglich kämpfen müssen.

Ein ganz ähnliches Prinzip gilt für alle Formen von Diskriminierung, egal ob aufgrund von Genderidentität, Sexualität, Geschlecht, Religion, Gewicht, mentaler Gesundheit usw.

Viele Menschen mussten sehr dafür kämpfen, genau den Aspekt ihrer Identität, der von außen diskriminiert wird, selber zu akzeptieren und anzunehmen, sprich ihn zu sehen (denn fast jeder Mensch wächst ja in einer diskriminierenden Gesellschaft auf, in der Negativbetroffene bestimmte Wertungen genauso verinnerlichen wie Nicht-Betroffene). Wenn dieser Aspekt dann von außen unsichtbar gemacht wird („Du siehst aber gar nicht trans aus“), kann sich das wie eine weitere Verletzung anfühlen.

Zusammengefasst: Nichts zu sehen, hilft nicht.