Wer profitiert davon?

Eine oft nützliche Frage, um Ungerechtigkeit besser sehen zu lernen: Wer profitiert davon?

Zum Beispiel: Wer profitiert davon, dass Menschen, die weiblich sozialisiert werden, oft glauben, dünn und konventionell hübsch sein zu müssen? Eine riesige Industrie von Produkten und Dienstleistungen, die zu diesen Zielen verhelfen sollen.

Wer profitiert davon, dass viele Yogalehrer:innen verinnerlicht haben, man solle „Selbstwert nicht an Geld knüpfen“? Die Yogastudios, die ihren Lehrer:innen absurd niedrige Löhne zahlen.

Wer profitiert davon, Verschwörungstheorien auf YouTube zu verbreiten? Die Person, die diese Theorien verbreitet und über YouTube ihr Geld verdient.

Und so weiter.

Zugegebenermaßen ist das eine Frage, die oft nicht eindeutig zu beantworten ist, weil die vielen an einer Situation beteiligten Ebenen und Seiten meist gar nicht sichtbar sind. Vor allem die wirtschaftlichen Interessen wissen sich oft gekonnt zu verstecken.

Oft gibt es auch viele verschiedene Antworten: Wer profitiert davon, dass Menschen ehrenamtlich Geflohene aufnehmen und unterstützen? Natürlich die Menschen, die fliehen mussten und denen geholfen wird, aber eben auch die Stadt, die Teile ihrer Aufgaben somit an die Zivilgesellschaft abgeben kann, und die Menschen, die helfen, profitieren auf emotionaler Ebene davon. Was beides nicht an sich „schlimm“ ist, und trotzdem zur Komplexität des Gesamtbilds dazugehört. Wie leider auch die Einzelpersonen, die das Chaos und die Notlagen anderer für ihre Zwecke ausnutzen und davon profitieren, dass der Großteil der Helfenden wirklich vertrauenswürdig ist.

(Eine andere nützliche Frage: Wer leidet darunter?)


siehe auch Unschuld abschaffen