Gemeinschaftliche Rituale

We humans need communal rituals, for all that life throws at us, with all of its blend of joys and sorrows, to feel whole, because we humans need to know that we are part of a fabric that holds us, cares for us, is there for us no matter how tough things get. The pervasive denial—even in the ways we rebels have largely skipped over processing our losses together, in routine and tender ways—is what fractures us most. Or to flip that, is what makes it nearly impossible to stitch ourselves together again in ways that are at once healthy and let us proudly/bravely/vulnerably show each other our new scars—because we humans never go back to who we were exactly before a big loss(es), but we can better navigate, self-direct, and even embrace who we’ve been transformed into by our losses, our grief.“ – Cindy Milstein in diesem PostCindy Milstein fragt: Wo sind in unseren politischen Bewegungen, in unseren queeren Gemeinschaften, wo sind da die gemeinschaftlichen Rituale? Wie können wir gemeinsam verarbeiten, trauern, uns unterstützen? Cindy kennt diese Art von Ritualen aus seiner radikalen jüdischen Community und sie fehlen ihm an anderen Orten – das Zusammensitzen, das Zusammensitzen müssen, auch wenn es unbequem ist, das gemeinsame Singen und sich spüren und die Sterne sehen, nicht alleine zu sein in Trauer und Verlust und Wut.

In einem Langgedicht, in dem es unter anderem um Verwandtschaft und Fürsorge und gewählte Familien geht, skizziere ich ein Ritual „aus der Zukunft“, bei dem die Menschen einer Nachbarschaft sich regelmäßig treffen und sich gegenseitig zuhören, es passiert nichts, außer dass sich alle zuhören und „keiner geht weg“.

Erst später, beim Hören dieses Podcast-Interviews mit Cindy, begreife ich: Das ist natürlich kein Ritual aus der Zukunft, sondern ein ganz altes, ein ganz verbreitetes, das älteste, das verbreiteste. Das Ritual, das uns am gründlichsten verloren gegangen ist. Hüllen davon fliegen noch herum, die Kerze im Geburtstagskuchen, um die wir uns versammeln, der Weihnachtsbaum, unter den wir Geschenke stapeln, das Essen, das wir in großen Runden auftischen. Aber den Kern des Zusammensitzens – eine bestimmte Zeit, in der nicht produziert wird und für die nichts gekauft wird, in der niemand effizient sein oder performen muss, in der Menschen aus unterschiedlichen Anlässen beieinander sitzen und wirklich sprechen und wirklich zuhören, sich große und kleine Dinge erzählen, diskutieren, streiten, sich versöhnen – haben die christlichen, patriarchalen, kolonialistischen, kapitalistischen Strukturen gründlich zerstört.

Ich bin quasi vollständig ohne gemeinschaftliche Rituale aufgewachsen, in denen wirklich Platz gewesen wäre für Verarbeitung, für Trauer, für Diskussionen. Ich kenne nach wie vor kaum öffentliche oder halb-öffentliche Räume, in denen dafür Platz wäre. Und ich habe keine jüdische oder sonstige spirituelle Tradition, an die ich anknüpfen könnte, um solche Räume zu suchen oder zu öffnen. Ich denke mir kleine Rituale aus, die aber nur zwischen mir und der sprachlosen Welt passieren.

Also frage ich mich: Wie solche Räume finden oder öffnen? Mit wem, mit welchen Vorbildern (und ohne kulturelle Aneignung zu betreiben)? Mit welcher Kraft, welcher Ernsthaftigkeit, welcher Dringlichkeit?

Ich fange mit dem an, was ich bereits habe, ich suche die Gemeinschaft in der Selbständigkeit.