Antikapitalismus

Antikapitalismus ist der Versuch, zu verlernen, was mir ein Leben im Kapitalismus, im Patriarchat und in kolonialistischen Strukturen beigebracht hat.

Also zu lernen und einzuüben, wie ich mein Leben so gestalten kann, dass es so wenig wie möglich den Bedingungen dieser Strukturen entspricht, und so viele Erfahrungen und Widersprüche, so viel Aufmerksamkeit und Präsenz und Geschichte und Gemeinschaft und Freude wie möglich erhält.

Zum Beispiel der Versuch, langsamer zu arbeiten.

Zum Beispiel der Versuch zu begreifen, dass nichts in mir falsch ist. Nichts an mir muss richtig gestellt werden. Ich kann falsch liegen und falsch handeln, aber ich bin nicht falsch. Die Menschen um mich sind nicht falsch und sie müssen nicht richtig gestellt werden.

Zum Beispiel mich zu fragen, bevor ich etwas Neues ausprobiere oder kaufe: Will mich das hier richtig stellen? Versuche ich hiermit etwas zu reparieren, was nicht kaputt ist? Mich dann daran erinnern : Nichts in mir ist falsch.

Zum Beispiel zu lernen, die Sachen, die tatsächlich kaputt sind, selber zu reparieren.

Zum Beispiel, indem ich das Anfangen feiere. Denn: Wie kann ich etwas Neues anfangen und darin „besser“ werden, damit wachsen und mich verändern, ohne mich durch die Scham von „nicht gut genug“ zu quälen? Indem ich Anfänge mag. Indem ich keine Zahlen beachte. Indem ich mich hindurchfühle.

Zum Beispiel durch ganz kleine Rituale und ganz kleine Praktiken.

Zum Beispiel, indem ich die Verantwortung übernehme für meine Ziele und für die Werkzeuge, die ich verwende.

Zum Beispiel, indem ich so weit für mich sorge, dass ich diese Verantwortung übernehmen kann. Ich füttere mich.

Zum Beispiel, indem ich mich immer wieder dafür entscheide, in meinem Körper zu sein und ihn zu spüren.

Indem ich mich dafür entscheide, dass es egal ist, wie das von außen aussieht.

Indem ich bereit bin, das hier zu genießen und meine Freude daran zu zeigen.