Nicht deine Schuld

Es ist nicht deine Schuld„Der Kapitalismus liebt die Meritokratie – den Glauben, dass dein Reichtum, dein Wohlbefinden und dein Wert als Mensch Belohnungen sind für deine Mühe und deine harte Arbeit. Die Meritokratie ignoriert geschickterweise systemischen Rassismus und Sexismus, ererbtes Vermögen, die Tatsache, dass manche Körper nicht im traditionellen Sinn „arbeiten“ können, die kapitalistischen Mechanismen der Klassenungleichheit und alle weiteren strukturellen Faktoren, die tatsächlich deinen Zugang zu Vermögen und Ressourcen bestimmen. Die Meritokratie verlangt, dass du deine Bedürfnisse (die körperlichen, emotionalen und spirituellen) deiner Produktivität unterordnest. Sie entfremdet dich von Signalen deines Körpers und deiner Intuition, indem sie behauptet, dass Glücklichkeit und Geld durch harte Arbeit entstehen. Das ist eine Lüge.“ – aus Proposals for the feminine economy, wenn du mit deiner Kunst oder deiner sozialen Arbeit zu wenig verdienst, um dich gut versorgen zu können. Wenn du Schwierigkeiten hast, deine Kinder während eines Lockdowns zu betreuen, wenn deine Depressionen dir das Aufstehen schwer machen, wenn deine Existenzangst dir die Energie raubt, an deiner Lage etwas zu ändern usw.

Ich beobachte in meinem Umfeld aus Kleinunternehmer:innen und Künstler:innen oft eine Tendenz, für unsere jetzige Lage die gesamte Schuld und Verantwortung zu übernehmen. Als gäbe es keine strukturellen Faktoren, die uns formen, hemmen, hindern, bestimmen.

Wir wurden aber nicht für etwas gemacht, sondern werden zu etwas gemacht, und das meist nicht freiwillig„People aren’t really meant to be anything, because we’re not made; we’re born, with some innate tendencies, and thereafter molded, thwarted, scalded, encouraged by events and encounters.“ – Rebecca Solnit in Recollections of My Nonexistence.

Es ist schwerste Arbeit, diese Schuld abzuladen oder eine andere Person davon zu überzeugen, dass sie keine Schuld trägt.

Siehe auch: Ungleichheit sehen lernen, ich trage Verantwortung, aber keinen Stolz und Schuldgefühle verhindern die eigentliche Arbeit.